Heilsteine und Gesellschaft www.stonedance.de

An anderer Stelle habe ich ja ausführlich über die Geschichte der "Helfenden Steine", die Steinheilkunde und über ausgewählte Heilsteine berichtet. Hier will ich nun einige Bemerkungen mit Bezug auf unsere Gesellschaft machen.

Die Nachfrage

Mitte der 80-iger Jahre des letzten Jahrhunderts schnellte plötzlich die Nachfrage nach Heilsteinen in die Höhe. Das ist bis heute so geblieben. Die Interessierten sind aber mit den Jahren wesentlich informierter. Nicht zuletzt durch die Vielzahl der erhältlichen Literatur.

Die Versorgung

Die Versorgung mit Edelsteinen, die von Heilsteintherapeuten oder Heilpraktikern, gelegntlich auch von Ärzten zu therapeutischen Zwecken empfohlen werden, findet durch darauf spezialisierte Einzelhändler statt. Leider haben sich in den letzten Jahren zunehmend Händler in diesem Markt etabliert, die oftmals dubiose Heilsversprechen machen oder deren Beratung an Hand zweifelhafter Quellen erfolgt. Diese Händler nehmen es meist auch mit der richtigen Deklarierung der Edelsteine nicht so genau. Dadurch gerät sehr leicht ein seriöser Berufsstand in Verruf und der Ratsuchende wird verunsichert.

Wo eine große Nachfrage ist, entsteht oft auch eine Kanibalisierung durch skrupellose Geschäftemacher. Ist die Gewinnmaximierung die einzige Triebfeder, tritt das Anliegen der Steinheilkunde und das Angebot der Beratung und Hilfestellung in den Hintergrund. Was würden Sie von einem "Edelsteinkaufhaus" erwarten? Zunehmend drängen auch Großhändler in den Endkundenmarkt und verdrängen dadurch Orte der Begegnung, Beratung und der intimen Atmosphäre. Diese Großhändler besitzen oftmals auch noch Firmen in den Ländern der Edelsteingewinnung. Sie decken also die gesammte Wertschöpfungskette ab. Will sagen, sie sind so gierig, dass sie auf allen Ebenen des Handels mit Edelsteinen verdienen wollen.

Die Risiken

Wer mit Heilsteinen handelt, steht unter dem besonderen Risiko, gleich mit mehreren Gesetzen in Konflikt zu geraten. Internet-Angebote sind dabei ein beliebtes Ziel von Konkurenten, die sich oft dubioser Abmahnvereine bedienen, um missliebigen Mitbewerbern erhebliche Beträge legal abzupressen. Oftmals sind es nur kleine Formfehler, die mit einer strafbewährten Unterlassungserklärung und erheblichen Anwaltskosten verfolgt werden. Eine beliebte Spielwiese solcher Abmahnungen sind das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb oder das Teledienstegesetz. Das fehlende, nicht korrekte oder schlecht zugängliche Impressum auf dem Webangebot oder die nicht mit letzter juristischer Raffinesse bis ins kleinste ausformulierten AGB. Da freut sich der kleine Sadist, wenn er solche Unzulänglichkeiten verfolgen kann und dem Mitbewerber finanziellen Schaden zufügt. Leider ist das geschriebene Recht i.d.R. auf seiner Seite. Ein moralisches Recht, dieses zu tun, möchte ich aber verneinen. Wenn ich Habgier, Neid, Verdrängungslust oder andere, nicht gerade humane Triebfedern für solches Tun unterstelle, kann ich nur auf Gerechtigkeit im Sinne einer größeren Autorität vertrauen.

Aber nicht nur der unmittelbar zwischen Menschen anzutreffende Kampf um Besitzstände stellt ein Risiko dar. Auch die institutionalisierte Sicherung von Besitzständen greift direkt in den Heilsteinhandel ein. Der Gesetzgeber regelt das menschliche Zusammenleben auf allen Ebenen bis ins Detail. Dabei bedient er sich der rationalen Weltsicht. Alles was wissenschaftlich nicht erklärbar ist oder sich den anerkannten Meßmethoden entzieht, ist nicht existent. Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Hass, Angst und Liebe, weil nicht messbar, einfach verboten werden.

Die irdische Wissenschaft kann eine Wirkung von Edelsteinen auf den Menschen nicht erkennen oder nachweisen. Also existiert sie nicht. Weil sie nicht existiert, können Edelsteine auch keine Heilmittel sein. Weil sie keine Heilmittel sind, unterliegen sie selbstverständlich dem Heilmittelwerbegesetzt. Unlogisch? Mit nichten. Das Heilmittelwerbegesetz findet auch "... Anwendung auf die Werbung für ... 2. ... Verfahren, Behandlungen und Gegenstände, soweit sich die Werbeaussage auf die Erkrankung, Beseitigung oder Linderung von Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhaften Beschwerden bei Mensch oder Tier bezieht." (§1 Heilmittelwerbegesetz) Die IHK hat die Gesundheitswerbung wie folgt zusammengefasst: "Für die Zulässigkeit einer solchen Werbung gelten wegen der besonderen Schutzwürdigkeit der menschlichen Gesundheit strenge Maßstäbe. Werbeangebote auf dem Gebiet des Gesundheitswesens müssen ... gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis entsprechen und sie dürfen insbesondere nicht irreführen. ... Werbeaussagen mit sogenannten unbewiesenen Wikungsbehauptungen (sind) unzulässig, d.h. es darf nicht der Eindruck erweckt werden, ein Heilmittel verfüge über eine bestimmte therapeutische Wirkung, obwohl diese Wirkung nicht nachgewiesen ist oder jedenfalls nicht in jedem Fall eintritt. Darüber hinaus ist es unzulässig, wenn Gutachten oder Zeugnisse veröffentlicht oder erwähnt werden, die nicht von wissenschaftlich oder fachlich hierzu berufenen Personen erstattet worden sind."

Neben dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und dem Heilmittelwerbegesetz wäre da noch das Lebensmittelgesetz zu nennen, wenn es sich um Edelsteinessenzen handelt, oder Wasseraufbereitung mit Edelsteinen.

Heilmittelwerbegesetz (PDF), Lebensmittelgesetz (PDF), Unlauterer Wettbewerb (PDF)

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