Die Geschichte der Edelsteine www.stonedance.de
Seit Anbeginn der Menschheit haben Steine unser Leben begleitet. Je nach Kultur und Zeitepoche hatten und haben sie recht unterschiedliche Bedeutung.

Sie finden hier eine konzentrierte Zeitreise von der Steinzeit bis zur heutigen Zeit.

Mit dem Beginn der Altsteinzeit, etwa 200.000 Jahre v. Chr. beginnt der Mensch die Schwächen seines Körpers mit Hilfe der Steine in Form von Faustkeilen und Steinklingen zu überwinden. Die dadurch weitaus stärkere Mitgestaltung seiner Umwelt hat es mit sich gebracht, dass der Mensch in einem hundertentausend Jahren währenden Prozess den Steinen eine ungemein wichtige Bedeutung zukommen ließ. Lange bevor eine Schrift auch nur in Ansätzen existierte, kratzte der Mensch magische Symbole in Steine und bezog den Stein in seine Religion ein. Die Vorstellung, dass der Stein Sitz des Göttlichen ist, findet sich in vielen späteren Religionen wieder. Die Beständigkeit des Steins ließ ihn auch zum wichtigsten Bestandteil des Totenkultes werden. Von einfachen Steingrab bis zur Pyramide und unserem heutigen Grabstein.
In der Jungsteinzeitlichen Megalith-Kultur (ca. 5.000 bis 2.000 v. Chr.) entstanden Großstein-Kultstätten in Westeuropa, wie z.B. Stonehenge in England, die Steinalleen von Carnac in der Bretange oder Dolmen und Grabkammern. Lochsteine wie z.B. Man-An-Tol in Cornwall, England wurden vermutlich verwendet um Menschen hindurchzuschieben um ihre Leiden „abzustreifen“. Die tief verwurzelte Vorstellung der Menschen von der Heilwirkung des Steins hat sich bis heute erhalten. So fand man in Gräbern aus der Altsteinzeit noch Halsketten einfacher Steine oder bereits Carneol-Ketten manuell durchlöcherter Kugeln.

In Mesopotamien, dem Land der Sumerer zwischen Euphrat und Tigris war bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. die Kunst der Edelsteinverarbeitung bekannt. Hier begegnet uns die Heilkraft der Edelsteine. Sie sollten gegen Krankheiten oder Liebeskummer wirken oder sogar vor Diebstahl schützen. Die Königsgräber von Ur in der altorientalischen Stadt Sumer brachten in insgesamt 16 Grabanlagen Edelsteine schönster Verarbeitung und höchster Vollendung ans Licht. Sumerische Inschriften enthalten zahlreiche Edelsteinnamen die mit diesen Funden in Verbindung gebracht werden können. Einer der gebräuchlichsten Schmucksteine der Sumerer war der Jaspis, der sowohl zum Schnitzen von Götterfiguren als auch besonders häufig als Schutz- und Heilstein eingesetzt wurde. Auch im Gilgamesch-Epos, das etwa 1.200 v. Chr. entstand werden Edelsteine mehrfach erwähnt.

Der Glaube an ein Fortleben nach dem Tode war im alten Ägypten besonders ausgeprägt. So verwundert nicht die Fülle der Edelsteinerwähnungen im Ägyptischen Totenbuch, denn in den Steinen sah man das Unsterbliche, das seine Schönheit nach dem Tode nicht verlieren würde. Der Stein, der Edelstein symbolisierte das Ewige. Den beliebtesten Edelsteinen ordneten die Ägypter die an ihre Farben geknüpften Gefühlsbereiche zu. Das Wort für den Rotstein Karneol bedeutete gleichzeitig Zorn und Wut und das für den Grünstein Türkis so viel wie Frische und Wachstum. Am beliebtesten waren in Ägypten die grünen Edelsteine, die an das alljährliche Ergrünen des Niltals erinnerten. Die meisten Schmuckgegenstände in der Schatzkammer des Tut-Ench-Amun waren eigens für das Jenseits angefertigt worden. Als man ihn 1.360 v. Chr. bestattete, konnte man im alten Ägypten schon auf eine beinahe zweitausend Jahre alte Tradition der Schmuckverarbeitung von Edelsteinen zurückblicken. Amulette wurden nicht nur den Toten mit ins Grab gelegt. Unter den Edelsteinfiguren überwiegt der Skarabäus, der als Amulett und als Siegelfigur diente.

Im Gegensatz zum Edelsteinreichtum Ägyptens und Mesopotamiens fehlten in der Hohen Kultur bei den vorderasiatischen Hethitern im 2. Jahrtausend v. Chr. Edelsteinarbeiten fast völlig. Lediglich aus der Bronzezeit fand sich altanatolischer Schmuck aus Bergkristall und Karneol. Im alten Persien standen die Edelsteine dagegen wieder in Hohem Ansehen. Bei der Weihung von Königen wurden „magische“ Edelsteine bei der Zeremonie verwendet und standen in einem kosmischen Bezug. Amulettsteine babylonischer Könige und ihre Wirkung wurden so hoch eingeschätzt, dass sie sogar den Göttern dargebracht wurden.

Dem alten Testament, Palästina und dem Christentum habe ich ein eigenes Kapitel gewidmet.

Edelsteine waren in Griechenland und Rom nicht immer gleichermaßen beliebt. Die griechische Edelsteinkunst und das Ansehen gelangten mit den Perserkriegen dorthin. Die Griechen lernten so die persischen Vorstellungen von den geheimen Kräften der Edelsteine kennen. Im alten Rom schließlich erlebte die antike Edelsteinkunst einen Höhepunkt.

Im Mittelalter wurden die Vorstellungen der Antike über die Edelsteine übernommen und z.B. von der Mystikerin Hildegard von Bingen, Albertus Magnus und Agrippa von Nettesheim in ausführliche Überlegungen weiter beschrieben. Religiöse Vorstellungen flossen im Mittelalter noch immer stark in die Wissenschaft ein. Hildegard von Bingen (um 1100 – 1179) allerdings versuchte schon die Herkunft der Steine anders als religiös zu deuten. Im 11. Jahrhundert erweiterte sich die Edelsteinkenntnis im Abendland. Steinbücher (Lapidarien) entstanden auf der Basis spätantiker Quellen. Hierbei ging es hauptsächlich um die magischen Kräfte der Edelsteine und ihre Farben-Bedeutung. Spätantikes Gedankengut wurde mit heidnischer und christlicher Kultur vermengt: „Gott habe den Edelsteinen wundersame Kräfte gegeben, die nicht anzuzweifeln seien.“ Durch die Epoche hindurch wurde der Glaube an die vielseitigen Wunderkräfte der Edelsteine nicht erschüttert und beeinflusste auch die mittelalterliche Dichtung (um ca. 1210 Gottfried von Straßburgs „Tristan und Isolde“ sowie Wolfram von Eschenbachs „Parzival“) und die Alchimie mit dem Ziel, den „Stein der Weisen“ hervorzubringen.

Der Humanismus der 16. Jahrhunderts entwickelte eine vollkommen neue Auffassung von den Edelsteinen. Die Humanisten wie z.B. Erasmus von Rotterdam, Ulrich von Hutten und Philipp Melanchton gingen nun auf die ursprünglicher erscheinende Naturgeschichtsschreibung der Plinius (1. Jh. N. Chr.) zurück. Viele Ärzte, u.A. Paracelsus interessierten sich für die Heilwirkung der Edelsteine und Georgius von Agricola (1494 – 1555) gilt als Begründer der neuen Mineralogie, losgelöst von Religion, Magie, Astrologie und Philosophie. Hatte früher der Glaube an magische Kräfte der Edelsteine ihre Rolle in der mittelalterlichen Heilkunde und im Geistig-Sakralen geprägt, wurden sie nun Gegenstand naturwissenschaftlicher Betrachtung. Metaphysische Gedankengänge jedoch überdauerten alle geschichtlichen Prozesse und setzen sich unter neuen Ansätzen fort bis in die heutige Zeit. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, bezeichnet Edelsteine als „Sinnesorgan hoher geistiger Wesen“.

Der Mensch hat Edelsteine immer verehrt und sie materiell und geistig zum Gegenstand respektvoller Betrachtung erhoben.

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